Warum Grundschule den Lebensweg prägt

Veröffentlicht am 11.09.2017 in Bundespolitik

Vor wenigen Tagen war es endlich wieder soweit: Für die Schülerinnen und Schüler in meinem Wahlkreis begann wieder die Schule, für nicht Wenige darunter zum ersten Mal. In Steinbach habe ich die Erstklässler begrüßt. Einschulungstag, die ganze Familie und Freunde sind gekommen.

Die Grundschulzeit kann zum einen das Fundament für eine positive Einstellung in die gesamte Schulzeit legen. Wer die richtige Art zu lernen und gute Erfahrungen in den ersten vier Schuljahren macht, der wird auch später auf der weiterführenden Schule, ob Gymnasium, Förder-, Haupt-, Real- oder Gesamtschule weniger Probleme mit dem Lernen haben.
Zum anderen kann die Grundschule, und in heutiger Zeit auch die sich oft anschließende Betreuung am Nachmittag, ein geborgenes Umfeld für Kinder bieten, das als emotionales und soziales Fundament für ein ganzes Leben nachwirken kann. Und zuletzt erfolgt nirgendwo sonst eine so starke Fortentwicklung der Persönlichkeit der Kinder, wie von der ersten bis zur vierten Klasse. Gut zu beobachten ist, wie in den ersten Schuljahren noch das Spielen und Basteln im Vordergrund steht, während ab der vierten Klasse für ein Teil der Schülerinnen und Schüler Freundschaften, die Clique, Handy und Internet langsam in den Vordergrund rücken.
Betrachte ich diese Gründe, so wird mir als Politikerin schnell klar, dass die Gestaltung der Grundschulzeit in Form von Festlegung von Lerninhalten, Bau- und Ausstattung von Schulgebäuden, Ausbildung und Auswahl geeigneter Lehrkräfte sowie Umsetzung von Betreuungs- und Ganztagskonzepte und alle damit verbundenen rechtlichen Voraussetzungen eine große Herausforderung darstellen. Aber mir ist auch bewusst, dass eine ebenso große Chance für unser gesamtes Land darin liegt, insbesondere auch für unsere Wirtschaft, hier die Grundlagen für unsere späteren gut ausgebildeten und kreativen Fachkräfte zu legen.
Ich möchte Ihnen gerne kurz einen Überblick geben, was ich auf bundespolitischer Ebene verändern kann bzw. wofür ich mich in meiner Mandatszeit einsetzen werde:

1. Die bundesweit geltenden Bildungsstandards, die von der Kultusministerkonferenz in den Jahren 2003, 2004 bzw. 2012 verabschiedet wurden, gibt es bisher für die Grundschule, dem sog. Primarbereich, nur für Deutsch und Mathe. An diesen bundesweit formulierten Lernzielen, orientieren sich die Lehrpläne und damit die Unterrichtsinhalte der Grundschulen in den jeweiligen Ländern. Ich setzte mich dafür ein, dass für ALLE Fächer in der Grundschule entsprechende Bildungsstandards formuliert und in ganz Deutschland umgesetzt werden.

2. Bundesweit sollen grundlegende, pädagogische Standards und Konzepte für Ganztagsbetreuung und Ganztagsunterricht erarbeitet werden. Aus meiner Sicht, sollten alle Schulen auch weiterhin die Möglichkeit haben, vor Ort zu entscheiden, welches Schulprofil für sie das Beste ist. Aber es ist zwingend erforderlich, dass vor allem bei dem derzeitigen Nachmittagsbetreuungsangebot, das oftmals von sehr verschiedenen Trägern angeboten wird, z.B. Kirchen, Städten, Fördervereinen und Landkreisen, endlich gemeinsame Mindeststandards gelten.

3. Der Anteil der männlichen Lehrkräfte an Grundschulen beträgt bundesweit gerade noch 10 %. Um dies langfristig zu ändern ist es aus meiner Sicht notwendig, mit den Ländern zu vereinbaren, dass Grundschulehrinnen und –lehrer auf eine Gehaltsstufe mit den Lehrkräften an den weiterführenden Schulen gestellt werden.

4. Wie in unserem Wahlprogramm formuliert, soll der Bund mehr Geld in die Sanierung, Ausstattung und den Bau von Schulgebäuden und Schulhöfen investieren, damit notwendige Arbeiten endlich schnell und zügig erledigt werden können.


Die eben genannten Punkte sind aus meiner Sicht gute und notwendige Ansätze, wie man konkret hier vor Ort unsere Grundschulen unterstützen und weiterentwickeln kann. Doch neben freundliche Klassenkameraden und Klassenkameradinnen, schönen Unterrichtsräumen, einem pädagogisch hochwertigen Betreuungsangebot und neuen Spielgeräten ist ein weiterer wichtiger Faktor für eine gelungene Grundschulzeit: die Lehrer und Lehrerinnen. Neben der Anhebung der Gehälter in diesem Bereich des Schuldienstes gilt es bereits in der Ausbildung, also an den Universitäten, Menschen zu gewinnen, die in erster Linie ihre Schülerinnen und Schüler für den jeweiligen Schulstoff begeistern können und zeigen, dass sie ihren Beruf wirklich mögen. Denn man lernt, so ist meine Meinung, nicht so sehr von einem Menschen, der viel erzählt, sondern von dem, der einen überzeugt. So werde ich mich dafür gezielt einsetzen, dass bereits während der Universitätszeit Lehrerinnen und Lehrer die Möglichkeit bekommen, praktisch an Grundschulen mitzuarbeiten ähnlich unserer heutigen, bewährten Berufsausbildung bestehend aus Zeiten im Betrieb und Berufsschule.
Vier Jahre Grundschule, vier Jahre in denen Kinder das Fundament für eine positive Schullaufbahn und den ganz persönlichen Lebensweg legen, vier Jahre in denen Freundschaften, vielleicht für immer, geschlossen werden, vier Jahre wo Träume und Hoffnungen entstehen. Und nicht zuletzt vier Jahre, in denen wir als Staat, Gesellschaft und Wirtschaft die Möglichkeit haben, den Grundstein für Generationen zu legen, die das zukünftige, erfolgreiche, demokratische und friedliche Deutschland und Europa hier vor Ort in der Region und später draußen in der Welt mitgestalten werden.

 

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