Mehr Praxis wagen

Veröffentlicht am 04.08.2020 in Service

Seit einigen Semestern unterrichte ich an privaten und staatlichen Hochschulen in Paris, Frankfurt und Gießen Politik, Kommunikation und Nachhaltigkeit. Auffallend für mich ist die Übereinstimmung in allen Kursen, dass das Interesse der Studierenden an Beispielen aus der Praxis, an der Verknüpfung von theoretischen Erkenntnissen und praktischen Erfahrungen sehr groß ist.

Der Wunsch nach mehr Vorbereitung auf den Einstieg in den Beruf und die Unterstützung beim Übergang vom Studium in den Beruf zeigten mir, wie wichtig das Brückenbauen mit Hilfe von Fallbeispielen, Diskussionen und praktischen Übungen ist. Diese Erkenntnis bestätigte sich auch in den Kommentaren und dem Feedback der Studierenden.
    
Studierende der Politik- und Geisteswissenschaften, aber auch der Erziehungswissenschaften und im Internationalen Management suchen zum einen nach Möglichkeiten, das Gelernte anzuwenden und auszuprobieren. Best- und Worst Cases kennenzulernen, eigene Erfahrungen zu machen und zu vergleichen: Wie wird Politik gestaltet, und wer sind die Akteure, wo liegen Schnittstellen und Abhängigkeiten von Politik und Kommunikation, worauf kommt es in der digitalen Kommunikation an usw.? Zum anderen suchen sie nach Methoden und Werkzeugen, wie sie selber später ihre Schülerinnen und Schüler überzeugend informieren und einbinden bzw. positive Beispiele weitertransportieren können.

In diesem Semester kam noch eine neue Erfahrung hinzu: Studierende suchen händeringend nach Praktikumsmöglichkeiten und stehen in den meisten Fällen vor verschlossenen Türen. Corona bedingt bieten Unternehmen und Institutionen bis auf Weiteres keine Praktikumsplätze an. Aus meiner Sicht sollte diese Haltung hinterfragt und überdacht werden. Die Studierenden haben wegen des digitalen Semesters bereits Schwierigkeiten, ihre Studienpläne einzuhalten und kommen durch die nicht vorhandenen Praktikumsplätze zusätzlich zeitlich, inhaltlich und finanziell unter Druck. Hier haben wir alle - Unternehmen, Institutionen, Hochschulen, Politik und Gesellschaft - eine soziale Verantwortung für die nachfolgenden Generationen. 

Häufig wird beklagt, dass das „S“, also das Soziale der ESG-Kriterien der Nachhaltigkeit so schwer umzusetzen sei. Ganz konkret die Härten aus der Pandemiesituation für Studierende abzufedern wäre eine aktive Umsetzung von Nachhaltigkeit im Sinne des „S“ im ESG. 

Mich begeistern das Wissen, die Lernwilligkeit und -fähigkeit der Studierenden, die auch im Unternehmen und in der Praxis für beide Seiten bereichernd sind und zu einem guten Miteinander und Austausch führen können. Insofern lautet mein Appell: Praktikumsplätze zu schaffen und so in Nachhaltigkeit zu investieren. 

 

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Beruflich bin ich als Kommunikationsberaterin mit Schwerpunkt Strategische und Politische Kommunikation sowie Nachhaltigkeit tätig.

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