Lobbyismus: Nein, Danke!

Veröffentlicht am 26.02.2018 in Bundespolitik

In diesen Wochen ist wieder viel von Lobbyismus die Rede, Dieselgate lässt grüßen. Bei mir kamen wieder Fragen und Stimmungen in Erinnerung, die ich bei meinen Hausbesuchen im Bundestagswahlkampf gehört habe. Zum einen meinten viele Bürger, sie hätten doch keine Lobby. Heutzutage braucht doch jeder eine. Läuft da nicht etwas Grundlegendes schief? „Dass Sie sich die Mühe machen, vorbei zu kommen! Zählt unsere Meinung überhaupt noch?“ Politiker vertreten sich doch hauptsächlich selbst, bekam ich häufig zu hören. Für mich war diese Erfahrung völlig neu. Mein Verständnis von Politik ist es gerade, die Themen vor Ort im Blick zu haben und dafür Lösungen zu finden. Statt Politik nur aus den Talkshows mitzubekommen, müsste die Politik wieder verstärkt zu den Menschen kommen.

Drei Fragen wiederholten sich an den Haustüren: 

  1. Sitzen Sie im Bundestag, wenn ich mir Debatten im Fernsehen anschaue?
  2. Lassen Sie sich von Lobbyisten kaufen?
  3. Sind Sie dann zukünftig auch vor Ort für uns ansprechbar?

Auch hier für mich völlig neue Erfahrungen: Nicht im Plenarsaal sitzen, keine Rückkoppelung zu den Bürgerinnen und Bürgern. Kein Wunder, dass landauf-landab von Politikverdrossenheit gesprochen wird. 

Von Lobbbyisten kaufen lassen? Für mich gilt ganz klar: Es muss ein verbindliches Lobbyregister geben, in dem u.a. Kontakte zwischen Interessenvertretern und Politikern veröffentlicht werden. Hier erwarte ich deutlich mehr von der künftigen Bundesregierung. Wenn wir unser Land nicht Populisten überlassen wollen, dann ist es höchste Zeit, den Kontakt zu den Bürgerinnen und Bürgern zu intensivieren und diese als wichtigste Lobbyisten anzusehen. Viel versäumt, viel aufzuholen, wenig Zeit!

Zehn Monate Wahlkampf, 6000 Tür-zur-Tür-Besuche, über 12.000 Kilometer im Wahlkampf gefahren, reichen nicht, um die Stimmung in der Bevölkerung zu ändern! Aber eines zeigte es sehr deutlich: Politik als Beruf, wie von Max Weber definiert, muss auch wieder gelebt werden und Politik als Berufung verstanden werden. 

 

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