Ein ganzes Semester online in Paris, Frankfurt und Gießen

Veröffentlicht am 17.07.2020 in Service

Nun ist auch das Sommersemester in Gießen vorbei, meine letzten Kurse gehalten. Zeit, ein Semester, das in Paris, Frankfurt und Gießen erstmals online abgehalten wurde, Revue passieren zu lassen. Die Erfahrungen waren durchweg positiv, wenn auch die Kurse ganz unterschiedlich abliefen. 

Während an Sciences Po in Paris und an der ISM in Frankfurt meine Kurse zunächst noch in Präsenz gestartet sind, fingen die Kurse an der JLU in Gießen aufgrund des späteren Semesterstarts gleich online an. 

Es ist von Vorteil, zumindest am Anfang in Präsenz zu beginnen und einen persönlichen Austausch und erste Begegnungen mit den Studierenden zu haben. Es war leichter, nach einem ersten Kennenlernen in den online Modus zu wechseln. Das Wechseln in den online Modus funktionierte sowohl an Sciences Po als auch an der ISM reibungslos. An Sciences Po reichte eine Woche Unterrichtsstop zum Umstellen aller Kurse auf die online Lehre, an der ISM gab es sofort Schulungen und technischen Support für Lehrende und Studierende. Auch an der JLU Gießen war der digitale Modus mit eigenem Webraum für die Lehrenden gleich abrufbar. 

Sicherlich dient die Semesterpause jetzt zum Nachjustieren und Weiterentwickeln der online Systeme, aber grundsätzlich hat die Corona-Pandemie gezeigt, dass die Universitäten auf die digitale Lehre vorbereitet sind.

Die digitale Lehre sollte weiter ausgebaut werden. Weshalb ich es richtig und wichtig finde, im kommenden Semester online Kurse weiter anzubieten bzw. in Kursen eine gute Mischung von Präsenz- und online-Unterricht zu finden. Einige meiner Kurse im Wintersemester sind an verschiedenen Universitäten bereits als reine online Kurse geplant. Die Teilnehmerzahl bleibt eine Hürde für den online-Unterricht. Meine Erfahrungen waren, dass je kleiner die Kurse, desto aktiver können sich die Studierenden beteiligen, desto mehr können alle aus den Kursen mitnehmen. Bei Kursen von über 30 Teilnehmenden ist online eine Diskussion nicht mehr so leicht zu steuern.

In Paris nutzten die Studierenden aus dem Ausland die Möglichkeit, noch vor dem Lockdown nach Hause zurückzukehren und von dort ihr Studium weiter zu verfolgen. Das stellte eine zusätzliche Herausforderung an den Unterricht angesichts der Zeitverschiebungen dar. Aber über diverse Chatmöglichkeiten, Aufzeichnungen und andere Tools konnte auch diese Hürde genommen werden. Für Studierende, die parallel zum Studium arbeiten wie beispielsweise an der ISM, war die online Lehre eine große Zeitersparnis und wurde von ihnen deshalb auch sehr positiv bewertet. Wege von der Arbeit an die Uni und wieder nach Hause fielen weg. Auch für mich machte sich die gewonnen Zeit durch den Wegfall des Pendelns an die Hochschulorte spürbar bemerkbar, ich hatte mehr Zeit zur Vorbereitung der Kurse. 

Immer wieder besprachen wir in den Kursen die Vor- und Nachteile der online-Lehre. Was müssen die Studierenden selber vorhalten an technischem Equipment, was ist zu tun, wenn die Netzqualität zu Hause nicht stabil genug ist? Präsentationen mussten entsprechend angepaßt werden, Chatmöglichkeiten zusätzlich genutzt werden, wenn die Bild- und Tonqualität aufgrund der Internetkapazitäten nicht stabil genug war. Im Ausland wurden einige online Dienste nicht unterstützt bzw. waren nicht frei geschaltet. Diejenigen, die Technik affin sind, hatten sicherlich Startvorteile, aber grundsätzlich waren in allen Kursen auch Diskussionen und ein reger inhaltlicher Austausch möglich, was in Public Affairs und Politikwissenschaft unbedingt notwendig ist.

Mein Fazit nach einem Semester: Wer Politik und Kommunikation im digitalen Zeitalter lehrt, sollte dies auch online tun können. Die Module und Techniken dafür sind an den Universitäten vorhanden und funktionieren. Auch unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit, ein weiteres Thema, das ich an den Universitäten lehre und das von den Studierenden stark nachgefragt wird, sollten Universitäten stärker in Digitalisierung investieren und Vorbilder für die Arbeitsplätze der Zukunft werden. Für mich selber bot das online Semester darüber hinaus auch eine sehr gute Weiterbildung. Ich habe viele neue online-Tools für die Lehre kennengelernt und freue mich jetzt schon, mehr davon im Wintersemester einsetzen zu können. 

 

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Beruflich bin ich als Kommunikationsberaterin mit Schwerpunkt Strategische und Politische Kommunikation sowie Nachhaltigkeit tätig.

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